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Offener Brief an Professor Klaus M. Beier,Leiter des Projekts »Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch im Dunkelfeld« an der Charité Berlin
April, 2007 Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Beier, mit großem Interesse las ich Ihr Interview in der Zeitschrift Die Zeit (11/2007) zu Ihrem Forschungs- und Therapieprojekt für pädophil empfindende Männer. Ich selbst bin betroffen, fühle mich zu Jungen im Alter von etwa 10 Jahren bis 17 Jahren hingezogen. Als die ersten Informationen zu Ihrem Projekt an die Öffentlichkeit gelangten, sogar Werbespots im Fernsehen liefen, überlegte ich, ob ich mich beteiligen sollte. Selbstverständliche informierte ich mich mittels der mir zugänglichen Quellen weiter. Nach Ihrem Interview bin ich nun völlig desillusioniert und habe Schwierigkeiten, mich mit der Zielstellung Ihres Projektes zu identifizieren. Es ist höchst löblich, dass sich Wissenschaftler, wie Sie und Ihr Team, dem Thema Pädophilie nicht verschließen. Gerade in der heutigen Zeit, wo hysterische Medien pädophil empfindende Menschen mit Schwerverbrechern gleichsetzen, wären Sie in der Lage ein gutes Stück Aufklärungsarbeit zu leisten. Allerdings habe ich doch so meine Bedenken, ob Sie dies überhaupt wollen und beabsichtigen. Worin besteht eigentlich die Motivation zu diesem Projekt? Haben Sie bei ihrer Therapie tatsächlich das Leben der Pädophilen im Fokus oder den Schutz der Kinder? Soweit ich Sie verstehe, leisten Sie Präventionsarbeit im Kinderschutz, aber ist das die Rolle eines Psychotherapeuten, der ja eigentlich den Pädophilen als Patienten im Blick haben sollte? Wie Sie zum Ausdruck brachten, halten Sie die Pädophilie für eine „sexuelle Präferenzstruktur“ und stellen sie damit auf die gleiche Stufe mit Hetero- und Homosexualität. Ich darf zitieren: Weil sich die sexuelle Präferenzstruktur nicht ändern lässt. Das gilt ganz grundsätzlich, also genauso für Hetero- und Homosexuelle. In der nächsten Antwort sprechen Sie dann aber von einer Krankheit. Mir ist bekannt, dass Pädophilie noch immer im ICD–10 (GM) der WHO als psychische Krankheit (F65.4) geführt wird. Es wäre doch aber absurd, auch Hetero- und Homosexualität, die ebenfalls sexuelle Orientierungen sind und von Ihnen der Pädophile gleich gesetzt wurden, als Krankheiten zu bezeichnen. Ich brauche Sie sicher nicht daran zu erinnern, dass Homosexualität bis vor wenigen Jahrzehnten ebenfalls zu den psychischen Krankheiten gehörte und erst 1992 endgültig aus dem WHO-Katalog gestrichen wurde. Bis Mitte der siebziger Jahre (und z.T. bis heute) gehören „reparative Therapien“ (vgl. J. Nicolosi) zu den Torturen, die keine realistischen Lebensperspektiven aufbauen konnten, außer der, nicht straffällig zu werden. In einem analogen Dilemma stehen wir nun in Bezug auf die Pädophilie, vor allem im Bezug zum Selbstverständnis Ihres Projektes. Ich, als Betroffener, hätte von ihnen als Wissenschaftler eine deutlichere und klarere Positionierung erwartet. Ist Pädophilie nun eine feste sexuelle Präferenz oder doch eine unheilbare Krankheit? Ich denke, Pädophilie ist keine „unheilbare Krankheit“. Wenn überhaupt etwas als krankhaft bezeichnet werden kann, dann die mit der Pädophilie verbundenen psychischen Erkrankungen, wie z.B. Paranoia, Zwangsgedanken, Depressionen. Ein großer Teil der mir bekannten Pädophilen leidet nicht an der Pädophilie direkt, sondern eben an den Folgen ihrer gesellschaftlichen Ächtung und/oder an ihrer Selbstausgrenzung aufgrund fehlender Unterstützung. Spezielle Therapien in Richtung der psychischen Erkrankungen für Pädophile sind daher notwendiger, als Sie eventuell denken. Vor allem hätten diese entsprechenden Therapien den pädophilen Mann und seine Leiden im Blick, nicht nur die Prävention im Kinderschutz. Die Pädophile ist eine sexuelle Präferenz und keine Krankheit! Diese Erkenntnis sollte die Grundthese Ihres Projektes sein, leider bleiben Sie auf halber Strecke stehen. Ich lasse juristische Aspekte im Folgenden bewusst heraus, um sie in einem späteren Abschnitt zu erörtern. Welche Perspektiven bieten Sie den Projektteilnehmern? Ich darf Sie zitieren: Ohne Frage ist es ein bedauernswertes Schicksal, weil ein verantwortungsbewusster Mann mit pädophiler Neigung sich diese Beziehungswünsche mit einem Kind nie erfüllen kann. Ein Leben lang nicht. Haben Sie sich die Frage eigentlich schon einmal selbst gestellt, wie Sie mit solch einer Perspektive „leben“ könnten? Wenn Ihnen verboten wäre, eine Frau zu lieben, würden Sie dann immer noch von „bedauernswertem Schicksal“ sprechen? Werden sie ihren Patienten gerecht, wenn Sie Pädophilie bedauern? Glauben Sie, dass Pädophile von ihnen bedauert werden möchten? Ich möchte kein Mitleid, von wem auch immer. Ich habe das Bedürfnis nach Therapie in dem Sinne, dort Begleitung zu erfahren und Lebensperspektiven kennen zu lernen, dabei echte, nicht von Medikamenten abhängige, Stabilität zu erreichen. Ihr Mitleid spricht mich dabei nicht an. Wie kann der Pädophile Stabilität erreichen, um Alltägliches zu bewältigen? Gibt es gar eine stabile pädophile Identität? Auf diese Fragen erhoffte ich mir Antworten von Ihnen als Arzt und Psychotherapeut. Wenn Pädophilie eine sexuelle Präferenz ist, wie können Sie sich derart über die Betroffenen erheben und eine lebenslange sexuelle Abstinenz fordern? Liegt es an der Denkweise „potentielle Täter“? Sie müssen schon entschuldigen, damit würden Sie sich auf eine Stufe mit hysterischen Medien stellen, welche in jedem Pädophilen einen Schwerverbrecher sehen, indem sie bei jeden Pädophilen potentielle Übergriffe auf Kinder annehmen. Sie sprechen Pädophile auf ihre „Lust“, auf ihre „Liebe“ an, als sei dies alles, was uns Männer beschäftigt, aber viele Pädophile, die an Einsamkeit, Depressionen oder Paranoia leiden, fühlen sich von Ihnen überhaupt nicht angesprochen. Im Gegenteil, ich befürchte, dass durch die totale Abstinenz diese psychischen Krankheiten noch potenziert werden. Welche Auswirkung Ihre Forderung nach Abstinenz auf das konkrete Individuum hat, das wage ich nicht zu beurteilen, das sollten Sie als Therapeut aber schon wissen. Ein Leben in totaler Abstinenz ist vergleichbar mit dem Zölibat. Aus den religiös-asketischen Schulen ist bekannt, dass nur sehr wenige Menschen diesen Weg erfolgreich, also nachhaltig und gesund gehen können und nur mithilfe spezieller „geschlossener Institutionen“, „Gemeinschaften“, „diverser Techniken“, „kompetenter Anleiter“ und einem starken religiösen Hintergrund. Sollten Sie allerdings den potentiellen Schutz der Kinder höher bewerten als die konkrete Lebensperspektive der Pädophilen, so verlieren Sie langfristig ihre Patienten aus dem therapeutischen Blick. So gestalten Sie Kinderschutz im Sinn der Justiz und der Politik, aber produzieren durch Ihre therapeutische Tätigkeit menschliche Wracks. In meinen Augen verstoßen Sie damit gegen den Eid, welchen Sie als Arzt schworen: Bei meiner Aufnahme in den ärztlichen Berufsstand: Ich gelobe feierlich mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen; ( ... ) Die Gesundheit meines Patienten soll oberstes Gebot meines Handelns sein (...) (vgl. Genfer Deklaration des Weltärztebundes) Ich glaube nicht, Sie an die untauglichen Versuche erinnern zu müssen, Homosexualität zu „heilen“ oder „einzudämmen“. Im Sinne der Prävention vor dem juristischen Konstrukt „Sexueller Missbrauch“, die Sie bei jedem Pädophilen postulieren („kein Täter werden“), wäre es doch im Dienste der Menschlichkeit, Ihren Patienten die Möglichkeit des Freitodes als Alternative zu einem Leben ohne Liebe, ohne die sonst selbstverständliche Erfahrung zwischenmenschlicher emotionaler Beziehung und in totaler Abstinenz, einzuräumen. Welche Legitimation besitzt Ihre psychisch-sozialpolitische Präventionsarbeit und Ihre medikamentöse Kastration, von Ihnen „unterstützende Medikamente zur Dämpfung sexueller Impulse“ genannt? Der Schutz vor der Traumatisierung der Kinder durch das Politikum „Sexueller Missbrauch“? Wissen Sie wirklich, dass jeder sexuelle Kontakt zwischen Erwachsenen und Kindern potentiell eine Gefährdung des Kindeswohls darstellt? Wissen Sie sicher, dass jeder Ihrer Patienten überhaupt in der Lage wäre, Kinder zu „verführen“? Sprechen nicht Symptome, wie Paranoia, Ängste oder Depressionen für einen anderen Therapieansatz und nicht für die Prävention vor dem „Sexuellen Missbrauch“, der viele Pädophile überhaupt nicht betrifft, da gerade ihre Leiden jeden Kontakt zu Kindern eher blockiert? Sie schreiben: Schwerwiegender ist schon, wenn ein Bekannter, zum Beispiel ein Lehrer oder ein Fußballtrainer, das Kind berührt, auch ohne dass es zur Penetration kommt und ohne Anwendung von körperlicher Gewalt. Ich weiß nicht, woher diese Erkenntnis, diese Beurteilung des Umstandes stammt. Durch diverse wissenschaftliche Arbeiten wurden andere Zusammenhänge gefunden. Ihr Kollege Herr Dipl.-Psych. M. M. Griesemer fasste in seiner Arbeit „Zur empirischen Wirklichkeit von Missbrauchssymptomen“ die Ergebnisse zusammen. Ich gehe davon aus, dass Sie diese Arbeiten kennen. Die dort niedergelegten Erkenntnisse können von vielen pädophilen Männern bestätigt werden, die in einer Liebesbeziehung mit einem Jungen leben oder lebten. Sie selbst sollten diese Schlussfolgerungen aus den Interviews mit den 500 Personen, welche sich für die Teilnahme an dem Projekt meldeten und aus Ihrer Langzeitstudie zu strafrechtlich verurteilten Pädophilen, ziehen können. Es ist durchaus keine verzerrte Wahrnehmung von mir, sondern ich gebe Beobachtungen wieder, wenn ich behaupte, dass es diese Jungen gibt, sogar in relativ großer Zahl, die bereit sind, eine echte Freundschaft mit einem erwachsenen Mann einzugehen, in der gegenseitige Achtung, Vertrauen, Zuneigung und Liebe vorherrscht. Der Junge akzeptiert die Sexualität des Mannes durch sein Vertrauen in die Ehrlichkeit und Menschlichkeit des Mannes. Sexuelle Handlungen, wenn es überhaupt dazu kommt, sind dabei nur eine sehr geringer Teil des vielschichtigen Beziehungskomplexes im Verhältnis der beiden Menschen zueinander und werden von beiden Seiten nicht losgelöst davon betrachtet. So „funktionieren“ pädophile Beziehungen seit Jahrhunderten. Der von Ihnen skizzierte Fall eines pädophilen Pädagogikstudenten zeigt es doch sehr deutlich. Ohne dass ich weitere Einzelheiten kenne, frage ich Sie, ob Sie sich folgendem bewusst sind: Der Junge könnte verunsichert worden sein, weil ein Mensch, dem er begann zu vertrauen, sich von ihm zurück zog, noch dazu vielleicht ohne einen für den Jungen plausiblen Erklärung. Der Praktikant wurde irritiert, weil er wahrscheinlich auch zukünftig die Intensivierung von Kontakte zu Kindern vermeiden wird – und dies letztlich in dem Bewusstsein, dass er daran vielleicht zu Grunde gehen wird. Bedenken Sie bitte auch, dass sich die Teilnehmer an Ihrem Projekt unter dem Druck der Erwartungshaltung, einem „erfolgreichen“ Programmdurchlauf, befinden und so von sich aus „im vorauseilenden Gehorsam“ auch auf nichtsexuelle Kontakte zu Kindern verzichten werden. Können Sie sich wirklich vorstellen, wissen Sie wirklich, was in diesen Männern, ihren Patienten vorgeht? Die Traumata des Kindes entstehen meist vor allem als Sekundärschäden aus der gesellschaftlichen Ächtung der Pädophilie, in der Retrospektive „etwas verbotenes“ getan zu haben und in Folge ausgrenzend betrachtet zu werden. Der Junge wird im Nachhinein zum Opfer gemacht, obwohl er die Beziehung ganz anders erlebte, die Wärme und Geborgenheit, aber auch die Achtung und das Vertrauen seines erwachsenen Partners, als persönlich bereichernde Erfahrung. Welche Position nehmen Sie zu anerkannten sexualwissenschaftlichen Studien ein, die besagen, dass es einvernehmliche sexuelle Kontakte gibt? ( vgl. Sandfort 1994, Bernard 1988 und Baurmann 1983, vgl. auch: http://paedosexualitaet.de/German/gen/reaction.html) Von Ihnen und Ihrem Team, als verantwortungsbewusste Wissenschaftler, erwarte ich, dass Sie auch solche gesicherten und anerkannten Erkenntnisse der Sexualwissenschaft zur Aufklärung der Bevölkerung nutzen. Es gibt sie, diese Einvernehmlichkeit sexueller Handlungen, verschweigen Sie das bitte nicht. Wie geschrieben, es geht um Einvernehmlichkeit zwischen dem Kind und dem Erwachsenen. Sexuelle Gewalt, sowohl physische, als auch psychische, gibt es auch in hetero- und homosexuellen Beziehungen, ist also kein spezifisches Problem der pädophilen Beziehung. Wenn Ihr Projekt die Zielstellung „Prävention gegen sexuelle Gewalt“ hat, ist es legitim zu fragen, warum nicht auch Probanden jeder sexuellen Ausrichtung ausgewählt werden, warum nur pädophile Männer? Gerade z.B., das oft vorgebrachte Argument „psychischer Druck auf das Kind aufgrund des Machtgefälles“ sollte doch durch Ihre Arbeiten entkräftet werden können. Jedem pädophilen Mann ist vom Anfang einer Beziehung an klar, wenn er etwas gegen den Willen und das Wohl des Jungen tut, könnte es das Ende dieser Beziehung sein. Die Machtverhältnisse kehren sich damit häufig sogar um; Das Kind hat die „Macht“ eine (freundschaftliche) Beziehung einfach abzubrechen, während der Erwachsene alle seine Möglichkeiten einsetzen wird, um dem Kind eine Umgebung zu gestalten, in der es sich wohl fühlt und damit das (Liebes-)Verhältnis aufrecht zu erhalten. Sexuelle Gewalt zählt sicher nicht zu den Wohlfühlfaktoren; Einvernehmliche sexuelle Handlungen, die in das Gesamtverhältnis, in den alltäglichen Umgang des Mannes mit dem Jungen eingebettet sind, könnten schon Faktoren sein, durch die sich der Junge anerkannt, als Mensch ernst genommen und bestätigt - eben wohl fühlt. Wenn Pädophilie das Thema Ihres Projektes ist, sollte das Ziel nicht menschlicher, den realen Tatsachen entsprechend, gestaltet werden? Viele Pädophile haben Probleme mit ihrer Einsamkeit, ihrer Sehnsucht, ihren Depressionen, ihren Ängsten, ihren Zwangsgedanken, mit ihrem Selbstbewusstsein und mit ihrer Identität, nicht zwingend wegen der Pädophilie, aber oft bedingt durch das Fehlen von Begleitung, Unterstützung und Therapie. Viele pädophile Männer beschäftigen die Fragen, wie sie die Beziehung zu einem Kind gestalten können, ohne dabei dem jüngeren Partner Schäden zu zufügen. Wie kann man das Verhältnis gerade während der problembeladenen Pubertät des Jungen unter Alltagsbedingungen längerfristig aufrecht erhalten? In meinen Augen wäre dies eine Kultivierung und Sozialisation der pädophilen Präferenz. An diesen Stellen benötigen wir dringend Ihre Hilfe. Letztlich sind in meinen Augen das Selbstbewusstsein, die soziale, psychische und emotionale Stabilität eines pädophilen Mannes wesentlich wichtigere Faktoren zur Vermeidung von Übergriffen auf Kindern, als die bloße Forderung nach totaler Abstinenz. Ich wage zu behaupten, der kleine Mitja würde heute noch leben, wenn Kolbig geholfen worden wäre, mit seiner sexuellen Präferenz zu leben. Es hätte diesen Ausbruch der Gewalt nicht gegeben. Allerdings konstatiere ich auch bei Ihnen Zweifel an der Realisierbarkeit der Projektziele. Ich darf zitieren: Wer hier das Programm durchlaufen hat, das ist zumindest unsere Annahme, der wird in der Lage sein, auch mit diesen Situationen, notfalls mithilfe von Medikamenten, zurechtzukommen. Es ist „nur“ Ihre Annahme, Sie selbst sind sich nicht sicher. Was passiert aber, wenn die ständig unterdrückten Gefühle, vielleicht noch in Kombination mit psychischen Krankheiten oder Nichterreichbarkeit der Medikamente, zur Explosion kommen? Daher ist es aus meiner Sicht notwendig, ihr Therapiekonzept zu überdenken und den Pädophilen, seine Stabilität und sein Selbstbewusstsein in den Mittelpunkt zu stellen. Der eben beschriebene Therapieansatz würde, nach meiner Meinung, deutlich mehr zum Schutz der Kinder beitragen, als es die jetzige Zielstellung Ihres Projektes bietet. Stabile und selbstbewusste Menschen neigen eher nicht dazu, gewalttätig zu werden. Aus Ihren Antworten im o.g. Interview entnehme ich, dass Sie und Ihr Team einige der wenigen sind, die die Pädophilie nicht nur auf die rein sexuelle Ebene reduzieren. Sie umschreiben das mit „verantwortungsbewusster Mann“. Schon allein dafür gebührt Ihnen der Dank der Betroffenen. Mir ist schon bewusst, dass die momentane Gesetzeslage, vor allem nach der Verschärfung des Sexualstrafrechtes unter dem Vorwand die „sexuelle Selbstbestimmung der Kinder zu stärken“, einvernehmliche sexuelle Handlungen zwischen einem Erwachsenen und einem gesetzlichen Kind gemäß §174 STGB ff nicht zulässt. Innerhalb dieses gesellschaftlichen, politischen Rahmens, ist Ihr Projekt momentan wahrscheinlich die einzige realisierbare Alternative für pädophil empfindende Männer. Trotzdem bitte ich Sie weiter zu denken, den Blick auf UNS, den Blick auf die Therapie und Beratung der Betroffenen zu richten, konkret auf ihre Perspektiven und Lebensentwürfe. Die juristischen Gesetze sind von der Bundesregierung beschlossen. Erschrocken musste ich feststellen, dass gerade die letzte Sexualstrafrechtsnovelle, meines Wissens nach, ohne eine ausreichende wissenschaftliche Begleitung verabschiedet wurde, getragen von einer polemisch stigmatisierenden, feministisch beeinflussten, so genannten „Volksmeinung“. Von Ihnen als verantwortungsbewussten Wissenschaftler, und das ist legitim, fordere ich eine entsprechende Einflussnahme auf gesetzgeberische Prozesse. Es kann nicht sein, dass entgegen anders lautenden wissenschaftlichen Erkenntnissen, Pädophilie pauschal kriminalisiert wird. Ich sehe hier auch eine eklatante Verletzung des Grundgesetzes durch die Diskriminierung einer sexuellen Minderheit. Mit Ihren Erkenntnissen, sicher auch aus dem laufenden Projekt, sind Sie fähig, die Lage der Pädophilen in diesem Lande wesentlich zu verbessern, Pädophilen Lebenswege zu eröffnen, Selbstbewusstsein und Stabilität bei Pädophilen auszubilden, sofern Sie es zulassen, sofern Sie dies wollen. Haben Sie ein Interesse an der „Lebenswelt der Pädophilen“? Sie könnten auf dem Gebiet der Sexualwissenschaft viel erreichen, Vorurteile in der Bevölkerung durch das (populärwissenschaftliche) Publizieren Ihrer Arbeiten und durch Interviews, die sie geben, zu relativieren. Nutzen Sie bitte diese Chance!
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Beier, und das ist beileibe nicht nur eine leere Grußformel. Ich möchte Ihnen und ihrem Team im Namen vieler pädophilen Männer nochmals danken, dass Sie bestrebt sind, uns ein Hilfeangebot zu erstellen. Ich bitte Sie die oben geäußerten Kritiken als Denkanstöße für weitere Diskussionen zu verstehen. Ich gehe davon aus, dass Sie diese Argumente, vor allem von Ihren Patienten, den von Ihnen interviewten Personen und den Teilnehmern an Ihrer Langzeitstudie schon oft hörten. Außerdem ist für mich durchaus vorstellbar, welche Kraft es einem heterosexuellen Menschen kostet, sich in die Gefühlswelt eines Mannes hinein zu versetzen, der einen Jungen begehrt. Selbstverständlich stehen ich und viele Andere für weitere Diskussionen zur Verfügung. Für meine Person, würde ich mich auch als „Forschungsobjekt“ zur Verfügung stellen, um letztlich das Bild der Pädophilie in der Öffentlichkeit zu entzerren. Sie werden verstehen, dass ich momentan noch im Schutze der Anonymität verbleiben möchte, Sie erreichen mich unter der E-Mail-Adresse julius.burgmann@gmx.de. Ich werde diese Mail in den beiden mir bekannten Foren pädophiler Männer (www.boylover.net und www.jungsforum.net) veröffentlichen und mich damit auch dort der Diskussion stellen. Des Weiteren bitte ich Sie um die explizite Zustimmung, Ihre Antwort ebenfalls in diesen Boards veröffentlichen zu dürfen. Nur so, denke ich, könnte die Diskussion auf eine deutlich breitere Basis gestellt werden. Künftig wäre ich bereit, Ihnen und Ihrem Team gegenüber meine wahre Identität zu offenbaren, wenn sie es wünschen; Dabei vertraue ich selbstverständlich auf Ihre Schweigepflicht als Arzt. Ich möchte nichts anderes, als das Vertrauen, die Zuneigung und letztlich die Liebe eines Jungen erleben und diesen Jungen lieben zu dürfen. Mir geht es dabei um den ganzen Jungen, den ganzen Menschen, nicht nur um einen „vorpubertären Kinderkörper“ Ich möchte nichts weiter, als dass dieses zwischenmenschliche Verhältnis geachtet und respektiert wird, so wie jede andere menschliche Beziehung auch. Mit freundlichen Grüßen Julius Burgmann |
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