Beispiel Peter Schult Pädophilie im öffentlichen Diskurs, Florian Mildenberger, Biblothek rosa Winkel

Nachdem zu dem in der heutigen Gesellschaft heiklen Themenkomplex Pädophilie/Päderastie seit einigen Jahren kaum seriöse bzw. ernstzunehmende wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht wurden hat der Historiker und Dozent an der Universität München Dr. Florian Mildenberger ein ebenso aufschlussreiches wie wichtiges Buch verfasst. Die methodisch exzelente Arbeit gliedert sich in insgesamt fünf Kapitel. Lediglich zwei (eher kürzere) befassen sich mit der Biographie von Peter Schult im Detail. Insgesamt dient die Person des Peter Schult auch eher als Aufhänger für eine Arbeit, die einen sauber gearbeiteten überblick über eine gesellschaftliche Entwicklung seit dem 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart bietet. Insebesondere geht es dann um die Zeit seit den 70er Jahren bis heute. Die Zusammenhänge verschiedener politischer und emanzipatorischer Bewegungen werden sehr plastisch und kenntnisreich beschrieben, seien es Linke inklusive sogenannter "Terroristen", Autonome, Frauen, Schwule und eben Pädos. Wobei eine klare Abgrenzung von homosexuellen Pädos und Schwulen nicht möglich ist. Auch eine Tatsache, die hier deutlich wird. War doch auch Peter Schult selbst kein Pädophiler im eigentlichen Sinne sondern ein linker Schwuler und Päderast.

Auf ungeschminkte Weise macht Florian Mildenberger deutlich, dass sich seit über hundert Jahren im Grunde nichts geändert hat. Denn damals wie heute werden Menschen aufgrund der einen oder anderen sexuellen Identität kriminalisiert und psychiatriesiert. Der Begriff "Pädophilie" selbst ist ebenso wie die zugeordnete Bezeichnung "Störung der sexuellen Präferenz" eine Erfindung von "Nervenärzten"/"Psychiatern". Die Psychologie war ja im 19. Jahrhundert eine "neue Wissenschaft" - die leider bis heute jeglicher wissenschaftlicher Grundlage entbehrt. Bis zum heutigen Tage wird hier eine "Diskussion" im Zustand des offensichtlichen Irrsinns geführt. Kastration, Hirnverstümmelungen, abstruse "Therapien", lebenslanges "Wegsperren", harte Strafen einschließlich Existenzvernichtungen sind keine Erfindungen der letzten zehn Jahre sondern ein Zustand der sich seit dem 19. Jahrundert bis zum heutigen Tage fortsetzt mit unzähligen Opfern. Natürlich haben sich auch immer wieder vernünftige Stimmen zu Wort gemeldet, die erkannt haben, dass es sich um "Straftaten" ohne Opfer handelt und eine wesentliches Persönlichkeitsmerkmal wie die sexuelle Identität keine "Störung" sein kann. Aber diese Stimmen wurden stets überhört oder gar massiv bekämpft. "Bestenfalls" verschwanden sie in irgendwelchen universitären/intelektuellen Elfenbeinturmdiskussionen.

Lediglich in der zweiten Hälfte der 70er Jahre bis zur "geistig - moralischen Wende" eines peinlichen Kanzlers Anfang der 80er gab es ein Klima gesellschaftlicher Offenheit infolge eines gewissen sozialen Wohlstands. Die hier begonnenen Ansätze ein hundert Jahre altes Verbrechens des Staates, der Kirchen und anderer Institutionen gegen unschuldige Menschen zu beenden waren sehr schnell vorbei und bleiben nur eine Erinnerung, die manche heute noch aktive Politiker aus dem linken/schwulen Lager gern vergessen oder verleugnen. Ein reaktinioäres Bündnis aus kreischenden feministischen/lesbischen Weibern und konserativ staatstragenden Gruppen/Parteien/Institionen ("Bewahrern der Familie") beendeten diesen Anflug von Freiheit, Humanität und Vernunft und legten die Grundlage für die heutige Situation, die inzwischen die 50er Jahre locker hinter sich lässt. Denn das Sexualstrafrecht hat sich nicht geändert - es wurde nur geschlechtsneutral erheblich verschärft. Die heutigen "Strafen" und "Maßnahmen" lassen selbst die spießbürgerlichen 50er Jahre aus heutiger Sicht human erscheinen.

Abschließend schreibt Dr. Florian Mildenberger: "Momentan scheint es, als ob Pädophile nur noch auf partielles Mitleid seitens der Gesellschaft hoffen können, z. b. wenn sie sich freiwilig einer psychotherapeutischen Behandlung unterziehen und somit die Rolle des "Kranken" akzeptieren, die in den Jahren vor 1900 den männlichen Homosexuellen zugekommen war. Sämtliche Vorurteile der damaligen Medizin werden heute gesellschaftlich akzeptiert auf Pädophile angewandt: Verführungsvorwurf, isolierter Charakter ausserhalb der Gesellschaft, psychopathische Gesamtpersönlichkeit und mangelhafte Ausprägung der Geschlechtsnorm (männlich/weiblich) (...) Auch die Akzeptanz einer Möglichkeit der Endogenität der Homosexuelität schützte die Homosexuellen nicht vor Verfolgung und Kastration. Erst das Zusammenwirken von übergeordneten Entwicklungen, klugem Egagement und langfristigen Verbündeten ermöglichte eine schrittweise Entpathologiesierung und Entkriminalisierung, wobei die führenden Vertreter der Homosexuellen setes die überkommmenden Einordungsmuster ihrer Verfolger (Krankhaftigkeit) nur solange partiell hinterfragen, bis deren Güligkeit allgemein bezweifelt wird. In diesem Zitat zeigt sich der Kern eines Verbrechens ebenso wie einen möglichen Ausweg und ein daraus resultierendes Risiko eines weiteren Fehlers, der kein zweites Mal begangen werden sollte. Denn heute ist die Staatskriminalität bezogen auf sogenannte "Sexualdelikte" allgegenwärtig und medial zur Hysterie und Pogromstimmung aufgeblasen. Gewissemlos werden jeden Tag Menschen kaputt gemacht ohne, dass ein Ende absehbar wäre.

Ich habe diese Auswüchse staatlicher Verbrechen hautnah mehrfach erlebt über manches geschrieben und über anderes, auch aktuelles, nicht. über das, was mir auf dieses Thema bezogen eigentlich gegenwärtig am wichtigsten ist darf ich nichts schreiben und kann es emotional auch nicht. Eines ist nur sicher - dreckige gewissenlose verbrecherische Subjekte im Amt eines Richters (und in anderen Bereichen der Justiz/Staatsgewalt) gab es damals und gibt es heute. Und auch heute mit einer anmaßenden Arroganz, Selbstverliebtheit und Machtbesessenheit wird sich hemmungslos an Menschen vergangen und vergriffen, die keinem anderem Menschen einen Schaden zugefügt haben. Es ist mehr als ein Bild infolge realen Miterlebens, dass sich bei mir schmerzhaft tief eingebrannt hat und jedes Wort und jede Tat gegen diesen biologischen Abfall in schwarzen Umhängen rechtfertigt.
Der Autor dieses Buches, Dr. Florian Mildenberger schreibt unter anderem für das emanzipatorische sexualpolitische Magazin GiGi.